denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule

Forschend lernen

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bietet mit denkmal aktiv Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich mit Denkmalen als Geschichtsorten intensiv zu beschäftigen und dabei ihren kulturellen Wert für Vergangenheit und Gegenwart zu begreifen.

Im Schuljahr 2019/20 nimmt die GvB erstmals am Programm teil.

Im Bauhaus-Jahr werden die Schülerinnen und Schüler der 9b sich im Geschichts- und Kunstunterricht mit historischen und künstlerischen Aspekten des Bauhauses beschäftigen, eine Exkursion nach Dessau unternehmen und Bauhaus-Projekten in Berlin nachspüren. Im Mittelpunkt steht dabei die Weiße Stadt in Reinickendorf.

(BK)

Wie wohnten Arbeiterfamilien um 1900?

Dass Arbeiterfamilien nicht gerade luxuriös wohnten, viele Menschen sich mit wenig Raum begnügen mussten, die Wohnungen durch enge Hinterhöfe oft dunkel waren und Haushaltsarbeit schwere Arbeit war, haben die Schülerinnen und Schüler schon im Geschichtsunterricht der 8. Klasse erfahren. Wie im 19. Jh. allmählich die Mietskaserne das Bild der Großstadt prägte, wurde auch im Kunstunterricht beleuchtet. Was Arbeiterwohnen um 1900 aber in der Praxis bedeutete, kann man anschaulicher am realen Objekt erfahren.

Bevor wir uns der durch das Bauhaus verkörperten Moderne des frühen 20. Jh. widmen, besichtigen wir deshalb eine Arbeiterwohnung. Im Vergleich wird die Besonderheit des Bauhaus-Bauens uns später umso mehr überraschen.

An einem sonnigen Augustfreitag verlegen wir also den Unterricht in die Dunckerstraße 77 in Prenzlauer Berg. Dort befindet sich im 1. Stock eine Museumswohnung, die erwartungsgemäß klein ist, zu klein, als dass eine ganze Klasse sie gleichzeitig besichtigen könnte. Wir teilen uns also in zwei Gruppen. Während eine Gruppe sich zunächst das Wohnumfeld genauer anschaut, wird die andere Gruppe schon durch die Wohnung geführt und hört Geschichten über die Bewohner.

Dunckerstraße, Helmholtzplatz, Raumerstraße … viele Altbauten der Gründerzeit, viel Grün, Spielplatz und Cafés, wo wir später auch ein Eis bekommen. Diese Umgebung entspricht gewiss nicht dem Bild einer Kaserne, wie wir es heute assoziieren. Beim konzentrierten Zeichnen der Fassaden mit Stuckelementen und Balkonen wird schnell klar, wie schön tatsächlich die Architektur dieser alten Mietshäuser ist. Und die Details sind gar nicht so einfach nachzuzeichnen; da ähnelt eines der vielen Stuckelemente auf dem Papier auf einmal einer Klorolle.

In der Museumswohnung erfahren wir schließlich auch etwas über die Bauweise dieser alten Mietshäuser. Zum Beispiel sieht man ihnen nicht an, wieviel Holz darin verbaut wurde. Aber Querschnitte durch Wand und Boden zeigen es. „Unsere“ Wohnung ist mit eineinhalb Zimmern, Küche und Flur ungewöhnlich groß – und wie wir erfahren, nicht repräsentativ für eine Arbeiterfamilie. Hier wohnte vielmehr Zimmermeister Brunzel, der das Haus erbaut hatte. Sein Büro, nun als Schlafzimmer hergerichtet, sollte eigentlich eine Ein-Zimmer-Wohnung werden. Auf etwa 10 Quadratmetern eine ganze Wohnung? Nur mit diesem zusätzlichen Zimmer konnte sich eine Familie auch die „Gute Stube“ mit Sofa und Kachelofen leisten. Das Leben spielte sich bei einer Arbeiterfamilie um 1900 überwiegend in der Küche ab. In der Küche erfahren wir von der Schwerstarbeit, die die Frauen bei der großen Wäsche auf dem Dachboden leisten mussten. Wir sehen, wie eine sogenannte Kochmaschine benutzt wurde. Damit ist der Herd gemeint, das wichtigste Element in der Küche, mit dem geheizt, auf dem gekocht und in dem gebacken wurde. Und war die Wäsche getrocknet, wurde auf dem Herd auch das Bügeleisen angeheizt – ein Eisen im wahrsten Sinne des Wortes, das etwa 5 kg wog.

Die Küche war eine ganz besondere Fundgrube für die Schülerinnen und Schüler. Denn in der Museumswohnung galt es, ein Element zu zeichnen, das für das Wohnen um 1900 typisch gewesen sein könnte. Andere dokumentierten die Wohnung fotografisch oder werteten die Informationstafeln aus.

Dieser Museumsbesuch verschaffte uns reichlich Material über die Berliner Mietskaserne, das wir uns noch einmal vor Augen halten sollten, bevor wir im Herbst das Bauhaus in Dessau besuchen.

(BK)