Als Diplomatin in der "Dreistadt"
Model UN in der Trójmiasto
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Am 1. September begann für neun Schüler*innen aus dem 10., 11. und 12. Jahrgang die Reise nach Gdynia/Polen, wo die diesjährige TriMUN vom 2.-4. September ausgerichtet wurde. Gdynia ist der nördlichste Teil der pommerschen Trójmiasto, dt. Dreistadt, zu der auch Sopot und Gdańsk gehören. Von Nord nach Süd gehen die drei Städte nahtlos ineinander über.
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Die meisten von uns kannten sich über ein flüchtiges „Hey“ auf dem Schulflur, ein nettes Lächeln in der Pause oder ein kurzes Gespräch vor Unterrichtsbeginn. Doch das sollte sich in den vier Tagen definitiv ändern.
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Nach knapp zehn Stunden Busfahrt, die die einen zum besseren Kennenlernen und die anderen für die letzten Feinschliffe an den position papers nutzten, checkten wir am Abend in unseren Apartments ein. Nach dem Essen lag jeder ausgerüstet mit Laptop/iPad und Notizblock im Bett, und die Aufregung war deutlich zu spüren. Eifrig wurden die eigenen Notizen noch einmal durchgelesen, die letzten Recherchen erledigt und die finalen Änderungen an der opening speech vorgenommen.
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Am nächsten Morgen war es dann so weit: Nach einem schnellen Frühstück ging es los zum Veranstaltungsort, dem Centrum Nauki Experyment. Bei der Registrierung erhielten wir Akkreditierungskarten mit Name, Komitee und Land. Anschließend nahmen wir im großen Saal die uns zugewiesenen Plätze ein und die opening ceremony began. Es wurden Reden gehalten, unter anderem von der Secretary General von TriMUN, Natalia Monkiewicz, und dem Vize-Bürgermeister von Gdynia, welcher besonders an uns junge Leute appellierte, dass das Wirken für eine friedlichen Zukunft nicht bei Diplomaten und Politikern anfängt, sondern bei uns. Es gehe nicht darum, die lauteste Person im Raum zu sein, nicht darum, einfach zu antworten, sondern darum, zuzuhören und zu verstehen. Dafür brauche es den Mut, die eigene Stimme richtig zu nutzen.
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Nach diesen eindringlichen englischsprachigen Reden folgten zwei auf polnisch. Abgesehen von Frau Kassel waren wir alle gnadenlos aufgeschmissen. Der Großteil der TeilnehmerInnen waren polnische Muttersprachler. Meiner aufmerksamen Sitznachbarin fiel auf, dass ich der Rede nicht folgen konnte, woraufhin sich ein Briefwechsel ergab, der half, die polnischen Reden zu verstehen.
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Im Anschluss an coffee break, Sitzung der General Assembly und lunch break begann die erste debate session in den committees. In alphabetischer Reihenfolge wurden die opening speeches der delegates gehalten. Plötzlich war man selbst an der Reihe, mit dem Laptop vor der Nase und dem Mikrofon am Mund hieß es dann: „Start whenever you feel ready“. Nach 90 Sekunden versuchte man so gut es ging, die Fragen der anderen delegates zu beantworten und anschließend wurde im moderated causus debattiert.
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Einen etwas tieferen Einblick in diese Debatten ermöglicht uns Frieda: „Diese MUN war für mich besonders, denn ich vertrat dieses Mal die USA im Disarmament and International Security Committee (DISEC) und war aufgrund der Themenstellung sehr involviert. Wir haben uns über Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Terrororganisationen im Nahen Osten im Zuge des Iran-Konflikts ausgetauscht, wobei die Lösungsfindung sich äußerst schwierig gestaltete. Denn wie in der richtigen Politik spielen die ländereigenen Interessen meistens eine größere Rolle als das gemeinsame Ziel.”
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Zum Ende der letzten debate session wurden noch punishments verteilt, wobei auch unsere Schüler*innen nicht ungestraft davonkamen. Während es die einen traf, weil sie in ihren position paper American English statt British English verwendet hatten, traf es andere, weil sie von sich in der ersten Person gesprochen hatten. Punishment klingt dramatischer als es tatsächlich war, tatsächlich mussten wir als Gruppe in ein anderes Kommitee gehen und dort etwas vortanzen.
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Und so plötzlich wie der Tag angefangen hatte, war er auch wieder vorbei. Zumindest der offizielle Teil des Tages, denn um 21:00 ging es für alle von uns zum social event im benachbarten Sopot, wo es die Möglichkeit gab, abseits von Anzug, Krawatte und Bluse etwas privatere Gespräche zu führen.
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Der zweite Tag startete direkt mit der nächsten debate session, jedoch waren einem die Orte und Gesichter nun schon deutlich bekannter, was den Mut und Willen, etwas zu sagen, langsam anstiegen ließ, und in der anschließenden Kaffeepause wurde mir etwas bewusst, dass uns First-Timern verschwiegen wird. Nämlich, dass die Pausen nicht wortwörtlich genommen werden sollten. Wir waren einfach abseits des Mikrofons, wo die tatsächlichen Allianzen geschlossen wurden. Während beispielsweise Ameen (als Marco Rubio im Crisis committee) Stimmen für seine Präsidentschaftswahl sammelte, überrumpelte mich der delegate von Grönland, der mit Stift und Vertrag auf mich zukam und mich als Vertreterin Dänemarks um seine Souveränität/Unabhängigkeit bat.
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Die debate sessions waren hitzig und im working paper verschwanden Vorschläge/ Lösungsideen so schnell, wie sie aufgetaucht waren. Aber am Ende des Tages stand die Resolution jedes Committees.
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Am dritten und letzten Tag wurden die ausgearbeiteten Resolutionen vorgestellt, es wurden Reden in favour und against gehalten, es wurden Fragen gestellt und Mängel kritisiert. Am Ende konnten zwei von vier Resolutionen durchgebracht werden.
In der letzten Sitzung der General Assembly wurden außerdem Delegierte für ihre Sachkenntnis, ihre rhetorischen Fähigkeiten und ihr diplomatisches Geschick ausgezeichnet. Frieda war es als US-Delegierte im DISEC z.B. gelungen, ihren „israelischen“ Kollegen in Schach zu halten. Ameen gelang es, den Irrungen und Wirrungen im Crisis Committee Sinn abzugewinnen und erwies sich als überzeugender Krisenmanager.
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Der offizielle TriMUN Teil unserer Reise hatte damit zwar ein Ende genommen, doch für unsere Gruppe ging es nach der closing ceremony mit Sack und Pack weiter nach Danzig/Gdańsk. Diesen dritten Teil der Dreistadt erkundeten wir touristisch – und wir waren nicht die einzigen am gut besuchten Ufer der Motlau. Wir aßen Pierogi, erhielten noch eine private Führung durch die Stadt von Frau Kassel, bis wir dann am späten Abend auch schon wieder im Bus Richtung Berlin saßen.
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Es waren vier Tage voller Emotionen, neuer Erfahrungen und persönlicher Weiterentwicklung. Wir alle haben etwas über andere, aber auch über uns selbst gelernt. Die Zukunft, über die wir die letzten drei Tage diskutiert haben, ist keine Abstraktion, sondern unser eigenes Leben.
Lia hat hierfür sehr gute Worte gefunden: „Die TriMUN 2026 sind für mich drei Tage, von denen ich nicht nur Debatten, Resolutionen, Krisen, Abstimmungen und Reden in Erinnerung behalten werde, sondern vor allem die langen Unterhaltungen, Insider-Witze, die neuen Freunde; Sachen, die falsch gelaufen sind, aber trotzdem lustig waren, und die anderen Delegierten, von denen ich so viel lernen konnte.“
Soraya K., Q3



















