Ruth Winkelmann erzählt aus ihrem Leben
Ruth Winkelmann erzählt aus ihrem Leben
97 Jahre – Jahrzehnte voller Geschichten. Aufwachsen in Hohen Neuendorf, als kleines Kind die Stadt mit der S-Bahn erkunden, Einkaufen im Kaufhaus Nathan Israel am Roten Rathaus, Zelten an der Ostsee …
Ruth Winkelmann, geboren 1928, erzählte im Februar 2026 einer Oberstufengruppe von zahlreichen alltäglichen Erfahrungen und Erlebnissen, die die zeithistorische Bedrohung fast vergessen ließen. Persönliche Anfeindungen habe sie nie erlebt, jedoch sei sie vermutlich eine Ausnahme.
Indes stellten die Novemberprogrome 1938 und der Zweite Weltkrieg im Leben von Ruth Winkelmann und ihrer Familie eine Zäsur dar. Hinzu kam die im September 1941 für die jüdische Bevölkerung im Reichsgebiet eingeführte Kennzeichnungspflicht mit dem Gelben Stern. Diese Demütigung machte das Leben für Ruth und ihre Familie noch gefährlicher. Verbot des Schulunterrichts für jüdische Kinder (vollständig ab 1942), Mangelernährung, Deportation des jüdischen Vaters und schließlich ein angstvolles Leben im Laubenversteck in Wittenau bis zum Kriegsende.
Und dennoch galt: „Unglücklich sein, das Wort gab es bei uns nicht. Das hat keinen Sinn gehabt […] keine negativen Gedanken!“
Den Einmarsch der sowjetischen Armee und die Befreiung erlebte Ruth Winkelmann mit ihrer Mutter in der Nähe des Laubenverstecks am Hochbunker an der Lübarser Straße (heute: Wittenauer Straße, siehe Karte oben, Nr. 2).
Nun in der Video-Dokumentation
Ruth Winkelmanns Erzählungen vom Leben als Jüdin im nationalsozialistischen Berlin sind nun in einem Video auf dem GvB-YT-Kanal dokumentiert – ein sehr persönlicher Blick auf eine komplexe Familiengeschichte, die ein Leben prägte.
Ein großes Dankeschön an Joshua Vilcsko (11. Jg.) für die Bearbeitung, die Ruth Winkelmanns Geschichte in den Kontext zeitgenössischer Quellen stellt.
Dr. Brigitte Kassel
FB Geschichte und Politik

