"Auschwitz und wir"

Nachlese zur Ausstellung Auschwitz und wir

In den Januar- und Februarwochen hatte unsere Schulgemeinschaft die besondere Möglichkeit, die Ausstellung Auschwitz und wir – Gen Z blickt hinter den Stacheldraht zu besuchen. Sie wurde von Schülerinnen und Schülern eines hessischen Gymnasiums entwickelt und verbindet die historische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus mit Fragen an unsere heutige Zeit. Viele Klassen und Kurse nutzten die Gelegenheit, sich im Unterricht mit den Exponaten, Texten und persönlichen Geschichten auseinanderzusetzen. Die Schülerinnen und Schüler waren zum Ende des Ausstellungszeitraums eingeladen, ihre Gedanken zur Ausstellung zu formulieren.

Die Eindrücke waren vielschichtig – betroffen, nachdenklich, erschüttert, aber auch dankbar für die Chance, Geschichte anschaulich und nah zu erleben. Viele Schülerinnen und Schüler betonten, wie emotional die Ausstellung sei und wie schwer begreifbar die Grausamkeiten des Holocaust auch heute noch wirken. Besonders die persönlichen Schicksale und originalgetreuen Darstellungen, etwa Objekte in Vitrinen oder die Stehzelle, halfen vielen, sich das Leben im Lager besser vorzustellen und die Dimension des Leids zu erfassen.

Immer wieder wurde hervorgehoben, wie wichtig Erinnerungskultur weiterhin ist – gerade weil Zeitzeuginnen und Zeitzeugen immer weniger werden. Die Ausstellung habe geholfen, das abstrakte Wissen aus dem Unterricht in konkrete Erfahrungen zu übersetzen. Viele berichteten, dass ihnen durch die eindrücklichen Beispiele bewusst geworden sei, wie systematisch Menschen im Nationalsozialismus verfolgt, entwürdigt und ermordet wurden.

Zugleich regte die Ausstellung zum Nachdenken über Verantwortung in der Gegenwart an. Die Fragen zu Antisemitismus, Diskriminierung und demokratischer Haltung, die an mehreren Stellen gestellt wurden, führten zu intensiven Gesprächen: Reicht es, sich zu erinnern – oder müssen wir selbst aktiv werden, um Ausgrenzung und Hass entgegenzutreten?

Auch die Verbindung zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen wurde häufig genannt: Gerade in Zeiten, in denen rassistische und antisemitische Haltungen wieder sichtbarer werden, müsse jede Generation neu verstehen, warum „Nie wieder“ nicht nur ein historischer Satz ist, sondern ein Auftrag.

Viele Schülerinnen und Schüler äußerten, wie wertvoll sie die Ausstellung als Ergänzung zum Schulunterricht empfanden. Die Mischung aus Texten, Bildern, Modellen und Objekten habe das Interesse geweckt und die Auseinandersetzung erleichtert. Besonders anschauliche Beispiele – vom Modell der Lagerstruktur, das Auskunft über die verschiedenen Häftlingsgruppen gibt, über persönliche Geschichten bis hin zu einzelnen Gegenständen – machten Geschichte erfahrbar.

Die Ausstellung bot nicht nur Wissen, sondern forderte zu Empathie, kritischem Denken und Verantwortung auf. Sie hat Spuren hinterlassen: Betroffenheit, Erkenntnis, und den Wunsch, weiterhin aufmerksam und engagiert zu bleiben.

Dr. Brigitte Kassel
FB Geschichte – Politik

    Einzelne Stimmen

    „Die Vorstellung, auch in unserem oder einem noch jüngeren Alter so etwas zu erleben, ist sehr erschreckend.“ (Paula, Kl. 9)
    „Ich habe mich gefragt, wie es damals so weit kommen konnte und warum viele Menschen nicht früher eingegriffen haben.“ (Piet, Kl. 9)
    „Die Ausstellung war sehr informativ, jedoch frage ich mich, ob es reicht, nur daran erinnert zu werden oder ob wir, auch schon in diesem Alter, aktiv werden müssen, da es zu wenige tun …“ (Jada, Kl. 8)
    „Ich danke der Schule in Bad Nauheim für die Ausstellung über Auschwitz. Durch die Ausstellung habe ich viel über die Geschichte und die Folgen des Holocaust gelernt.“ (Elina, Kl. 9)
    „Besonders anschaulich waren die Objekte, die das Interesse der Schülerschaft weckten und einluden, sich die Informationen tatsächlich durchzulesen.“ (Jg. 12)