JLGMUN - MUN in Berlin
Das John-Lennon-Gymnasium lud zu seiner 3. JLGMUN ein
Premiere: Sechs Delegierte des GvB vertraten Lettland und Tansania bei JLG Model United Nations 2026.
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Zwei Vertreterinnen aus dem 11. Jahrgang des GvB berichten im Folgenden aus ihren unterschiedlichen Perspektiven; Lia erlebte die MUN als Delegierte, Frieda hatte ihre Premiere als Ausschussvorsitzende.
Teil I
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Unter dem diesjährigen Thema Generations in Transition: Building Equity in Times of Change wurde beim Model United Nations-Planspiel des John-Lennon-Gymnasiums in der letzten Juniwoche wortwörtlich heiß diskutiert. In fünf verschiedenen Ausschüssen wurden aktuelle Probleme wie die Einschränkung von Frauenrechten unter dem Deckmantel religiöser und traditioneller Werte oder auch das Spannungsfeld zwischen nationaler Souveränität und gemeinsamer EU-Regierung diskutiert.
Vorspiel
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Die viertägige Model United Nations begann mit der Eröffnungszeremonie im Berliner Abgeordnetenhaus. Diese bestand aus drei Teilen: den motivierenden, einführenden Ansprachen des Model UN-Sekretariats, der Vorstellung einiger Länder durch ihre Botschafter sowie den Vorträgen der Gastsprecher Filipe Ataíde Lampe (Kommunikationsspezialist beim Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen – United Nations Development Programme (UNDEP) – in Berlin) und Dr. Anja Mihr (Politikwissenschaftlerin und Leiterin des Humboldt-Viadrina Center on Governance through Human Rights an der Humboldt-Viadrina Governance Platform in Berlin). Den Abschluss des Programms bildete die Videoansprache der aktuellen Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali-Radovan von der SPD.
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Lampe machte beispielsweise deutlich, dass UNDEP nie aus eigener Initiative handelt, sondern die Mitgliedsstaaten zunächst einen Entwicklungsbedarf in einem Land feststellen müssen und dann im besten Fall UNDEP einen Handlungsauftrag erteilen. Das Publikum lernte auch den Unterschied zwischen equity und equality kennen. Während equality bedeutet, dass alle gleich behandelt werden, drückt equity aus, dass Gleichheit nicht abstrakt ist, sondern unterschiedliche Startbedingungen bei der Gleichbehandlung berücksichtigt werden müssen.
Mihr legte schließlich ihren Schwerpunkt auf regime change und transitional justice. Die Forschung gehe davon aus, dass es in einem Land eine Zwei-Drittel-Zustimmung braucht, damit ein regime change stattfinden kann. Die notwendige Zustimmungsquote für einen erfolgreichen, der Gerechtigkeit verpflichteten Übergang – transitional justice – liege sogar bei 75%. Damit ist die ehrliche Auseinandersetzung mit dem geschehenen Unrecht gemeint. Transitional justice stellt den rechtlichen, strukturellen und ethischen Rahmen für einen erfolgreichen regime change bereit, z.B. die Einrichtung von Wahrheitskommissionen oder offizielles Gedenken an die Opfer von Unterdrückung.
Das Spiel beginnt
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Am zweiten Tag saß ich dann zum ersten Mal in einer Ausschusssitzung in einem umfunktionierten Klassenzimmer des John-Lennon-Gymnasiums. Zusammen mit einem der fünf weiteren Delegierten unserer Schule war ich Teil der General Assembly 3 (kurz: GA3), wohinter sich der Ausschuss für Social, Humanitarian & Cultural Issues verbirgt. Hier haben wir uns mit dem möglichen negativen Einfluss von Künstlicher Intelligenz durch Manipulation auf die demokratische Teilhabe befasst. Unser zweites Problem war die Einschränkung von Frauenrechten aufgrund religiöser oder kultureller Vorbehalte gegenüber Frauen.
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Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, der Erstellung unseres (fortwährend genutzten) Gruppenchats und einem Icebreaker ging es direkt an die Eröffnungsreden für das erste von zwei Themen. Dabei verschaffte ich mir einen Eindruck von den Haltungen der anderen Länder und überlegte, mit wem ich als Delegierte Lettlands zusammenarbeiten wollte. Während des Lobbying schloss ich mich mit anderen Ländern gleicher Meinung zusammen, und wir schrieben gemeinsam eine Resolution. Das ist ein Papier, in dem im ersten Teil das Problem genauer beschrieben wird, während im zweiten Teil Lösungsansätze und Forderungen in clauses (Paragraphen) formuliert werden. In der anschließenden freien Debatte wurden die Resolutionen diskutiert, über Änderungen gestritten und schließlich zwei von drei Beschlüssen verabschiedet.
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Als MUN-First-Timer war dieser Prozess noch sehr fremd für mich, und bevor ich etwas sagte, war ich sehr unsicher. Beim zweiten Thema jedoch fühlte ich mich bereits deutlich wohler, und nachdem wir auch dafür eine Resolution verabschiedet hatten, fühlte ich mich schon fast wie eine richtige Delegierte.
… und ist mehr als politische Debatte
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Doch erst am dritten Tag, als wir bereits vollständig in die Diskussionen involviert waren, wurde mir bewusst, dass MUN so viel mehr ist als strenge politische Debatten, ausgetragen von selbstbewussten, redegewandten Schüler*innen in Anzügen und Blazern. MUN ist zum einen der perfekte Ort, um sich international zu vernetzen. Denn obwohl die meisten Teilnehmenden dieser MUN aus Deutschland anreisten, habe ich nicht nur Bekanntschaft mit deutschen Schüler*innen gemacht, sondern mich auch mit Delegierten aus Litauen und England angefreundet. Zum anderen sorgen die Vorsitzenden der Ausschüsse dafür, dass es nie langweilig wird.
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Die anonyme Gossip-Box unterhält alle Anwesenden (einschließlich des oftmals anwesenden Presseteams) und sorgt für viel Gelächter. Auch die kreativen Strafen, welche Delegierte sowie Vorsitzende für kleine Regelverstöße, wie zum Beispiel die Nutzung des Personalpronomens „I“ oder die Verwendung von Deutsch anstelle von Englisch, erhalten, amüsieren teilweise nicht nur den eigenen Ausschuss. Von Hobby-Horsing-Vorführungen über Singeinlagen bis hin zu Heiratsanträgen habe ich innerhalb weniger Tage viele humorvolle Momente in meinem eigenen, aber auch in anderen Ausschüssen und Räten erlebt. Insgesamt konnte ich bei der Model United Nations politische Vorgehensweisen kennenlernen, meine Eloquenz verbessern und vor allem vier Tage voller Spaß und neuer Freundschaften genießen.
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Sollte sich die Möglichkeit ergeben, empfehle ich jeder Schülerin und jedem Schüler teilzunehmen und selbst für einige Tage in die Rolle einer Delegierten oder eines Delegierten bei den Vereinten Nationen zu schlüpfen!
Lia S. Q2, Delegate of Latvia in GA 3
Teil II
Rollenwechsel
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Diese MUN-Konferenz war auch für mich etwas ganz Neues, denn ich durfte zum ersten Mal in die Rolle des chair schlüpfen. Die chairs leiten jede Sitzung des Ausschusses/committee, bestimmen, wer das Rederecht hat und sind den delegates stets eine Unterstützung bei Fragen oder Unsicherheiten. Für diese Rolle muss man sehr vertraut mit den Vorgehensweisen und Regeln sein, um die Debatte sicher leiten zu können.
Vorarbeit im Hintergrund
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Für mich begann die Konferenz schon viel früher als die Eröffnungszeremonie. Als President of the Council of the European Union (CoEU) hatte ich die Aufgabe, einen research report für mein committee zu verfassen, mit dessen Hilfe die Vorbereitung für die delegates sichergestellt und ein Überblick über die komplexen Themen geschaffen werden soll. Während der Konferenz beschäftigten wir uns mit dem schwierigen Verhältnis von nationaler Souveränität und gemeinsamem EU-Handeln sowie mit dem sozialen Zusammenhalt innerhalb der EU vor dem Hintergrund sozialökonomischer und regionaler Disparitäten.
Der Mühen Lohn
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Die langen Abende voller Arbeit haben sich ausgezahlt. Mein committee war, wie man schon in der ersten Sitzung merken konnte, außerordentlich gut vorbereitet, wodurch die Debatten umso interessanter wurden. In den folgenden Konferenztagen wurden im besonderen meine Multitasking-Fähigkeiten ausgetestet, denn die chairs müssen nicht nur die Debatten inhaltlich verfolgen, sondern ebenfalls hochkonzentriert die Debattenstruktur einhalten, delegates ermutigen, sich an der Debatte zu beteiligen, und nicht zuletzt mit Ideen für die lustigen punishments für falsche Personalpronomen oder sonstige Regelverstöße aufwarten. Und das alles unter hohem Zeitdruck, was meinen meistgenutzten Satz “Due to time constraints, we cannot…” erklärt, der bei den aktiven Teilnehmer*innen meist für ein Murren sorgte.
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Insgesamt war das committee ein adäquates Abbild der echten EU. Wie im echten Council of the EU benötigen sensible Entscheidungen, die beispielsweise die Sicherheitspolitik, die Erweiterung oder die Finanz- und Steuerpolitik der EU betreffen, die Zustimmung aller Mitgliedsstaaten. Da diese Mehrheit schwer zu erreichen ist, versuchten einige Länder, die Regelung vollständig abzuschaffen, um die Handlungsfähigkeit der EU zu steigern. In anderen Punkten wurden sich die Länder jedoch einig und konnten einige wichtige clauses in ihren Resolutionen verabschieden.
Angekommen im MUN-Olymp
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Aus der Sicht eines chairs verändert sich die MUN-Konferenz – der Blick richtet sich weniger auf die Details der Inhalte als auf das große Ganze einer Resolution und des gesamten Verhandlungsprozesses. Findet die MUN dann auch noch am eigenen Wohnort statt, wird man schnell Mitglied einer größeren MUN-Community, die weit über die einzelne MUN hinausreicht.
Frieda S., Q2, President of the Council of the European Union (CoEU)
Vorschau und Rückblick
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– Gleich Anfang September fährt eine neunköpfige Gruppe von Delegierten aus den Jahrgängen 10 bis 12 vier Tage nach Gdynia an der polnischen Ostsee und nimmt dort an der Tricity MUN 2026 teil.
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– Und im Januar 2027 ruft erneut MUNoV – Model United Nations of Vienna. Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler mit guten Englischkenntnissen ab Jahrgang 10.
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– Zur MUN-Überblicksseite mit Links zu Berichten über frühere MUN-Konferenzen und zum MUN 1×1 geht es hier. (BK)

